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ANALYSE — DIGITAL COMMERCE

E-Commerce KPIs: Die Wirkungskette vom Umsatz bis zur Reichweite

Der Kunde kommt von überall, auch vom KI-Assistenten. Wer mit Handelspartnern über digitale Budgets verhandelt, braucht eine Messlogik, die vom Umsatz rückwärts denkt.

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Axel Rübenhagen
The Seventy 2 Digital
4 Min. Lesezeit E-Commerce KPIs

Die Website des Handelspartners ist heute so wichtig wie seine Fläche. Wer im Vertrieb oder Marketing eines Herstellers arbeitet, verhandelt längst nicht mehr nur über Regalplatz, sondern über Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und Erlebnis in Kanälen, die ihm nicht gehören.

Es gibt einen Satz, der in Vertriebsorganisationen von Markenherstellern lange als Übertreibung galt und heute schlicht Beschreibung ist. Die Mehrheit der Kaufentscheidungen ist digital beeinflusst, auch dort, wo am Ende stationär gekauft wird. Das verändert, was kommerzielle Teams können müssen.

Nicht jeder muss Kampagnen bauen. Aber jeder, der mit Handelspartnern über Investitionen spricht, braucht drei Dinge: ein Bild der ganzen Journey, eine Messlogik, die vom Umsatz her denkt, und die Disziplin, Budget nach Wirkung zu vergeben statt nach Gewohnheit.

01Warum kommt der Kunde heute von überall?

Der Kunde kommt von überall bedeutet, dass es keinen einzelnen Eingang in den Kaufprozess mehr gibt und kein einzelner Kanal die ganze Geschichte erzählt. Die klassische Vorstellung ist ein Trichter mit einem Eingang. Die Realität ist ein Gelände mit vielen Eingängen.

Suche, Social Media, Empfehlungen, Bewertungen auf Händlerseiten, der Besuch im Geschäft, der Vergleich auf dem Handy im Geschäft, und zunehmend KI-Assistenten, die Produkte suchen, vergleichen und den Kauf gleich mit abschließen. Kunden springen zwischen Kanälen.

Für die Zusammenarbeit mit dem Handel folgt daraus eine unbequeme Konsequenz. Wer nur die eigenen Kanäle misst, misst einen Ausschnitt. Die Bewertungen beim Händler, die Auffindbarkeit der Marke in dessen Shop-Suche, die Qualität der Produktseiten dort gehören genauso zum Markenerlebnis wie die eigene Website. Omnichannel ist kein Projekt. Es ist die Beschreibung dessen, was Kunden ohnehin tun.

02Was sind E-Commerce KPIs entlang der Wirkungskette?

E-Commerce KPIs sind die Kennzahlen jeder Stufe des Kaufprozesses, von der Reichweite bis zum wiederkehrenden Kauf, und ihr eigentlicher Wert liegt in der Diagnose. Die brauchbarste Denkfigur ist einfach: beim Umsatz anfangen und rückwärts gehen.

Wiederkehrende Kunden setzen zufriedene Käufe voraus. Käufe setzen abgeschlossene Kaufvorgänge voraus, diese gefüllte Warenkörbe, diese ein überzeugendes Erlebnis auf der Produktseite, dieses einen Klick, dieser eine Interaktion, diese Aufmerksamkeit, diese Reichweite.

01
Reichweite
Wie viele der richtigen Menschen erreichen wir überhaupt?
02
Klick und Interaktion
Was kostet uns ein Klick, was eine Interaktion?
03
Kontakt und Interessent
Kosten je Kontakt, je Interessent, je Kauf.
04
Rendite der Marketinginvestition
Was hat die Maßnahme zusätzlich erwirtschaftet, gemessen an dem, was sie gekostet hat?

Der Wert dieser Kette liegt nicht in den Kennzahlen selbst. Er liegt in der Diagnose. Wenn Reichweite da ist und Umsatz fehlt, zeigt die Kette, auf welcher Stufe es bricht. Ohne die Kette wird über mehr Budget diskutiert. Mit ihr wird über die richtige Stelle diskutiert.

Ohne die Kette diskutieren Sie über mehr Budget. Mit ihr über die richtige Stelle.

03Warum kennt jeder die Kosten, aber kaum jemand die Wirkung?

Die Wirkung bleibt in den meisten Jahresplänen mit Handelspartnern unbelegt, weil je Maßnahme genau eine Größe sauber dokumentiert ist: was sie kostet. Was sie erwirtschaften soll, mit welcher Referenz sie verglichen wird und woran ihr Erfolg gemessen wird, fehlt.

Der Anspruch muss anders aussehen. Je Maßnahme eine erwartete Wirkung, notfalls als begründete Hypothese, wenn noch keine Referenz existiert. Ein Vergleichsmaßstab aus früheren Maßnahmen, anderen Partnern oder anderen Märkten. Und wo es der Fall erlaubt, ein sauberer Test: Varianten gegeneinander, eine unbehandelte Vergleichsgruppe, damit Wirkung von Rauschen unterscheidbar wird.

Was je Maßnahme auf dem Tisch liegen sollte
  • 01Eine erwartete Wirkung, notfalls als begründete Hypothese
  • 02Ein Vergleichsmaßstab aus früheren Maßnahmen, Partnern oder Märkten
  • 03Wo möglich, ein Test mit unbehandelter Vergleichsgruppe
  • 04Laufende Beobachtung auf Trendbrüche, Tiefenanalyse nur dort, wo etwas bricht

Das klingt nach Aufwand. Es ist weniger Aufwand als das Alternativszenario: jedes Jahr dieselben Maßnahmen, weil niemand belegen kann, welche davon tragen.

04Wie werben Marke und Handel gemeinsam statt gegeneinander?

Gemeinsam werben heißt, dass Marke und Handelspartner ihre Suche abstimmen, statt sich auf denselben Begriffen gegenseitig die Preise hochzutreiben. Das unterschätzte Kapitel der Hersteller-Händler-Zusammenarbeit ist die Suche. Aus Kundensicht ist der Bieterkampf auf dieselben Begriffe schlicht Verschwendung. Der Kunde will finden, was er sucht.

Abgestimmte Suchbegriffe, abgestimmte Anzeigeninhalte, abgestimmte Kampagnenpläne zwischen Marke und Händler senken die Kosten auf beiden Seiten und erhöhen die gemeinsame Sichtbarkeit gegenüber dem eigentlichen Wettbewerb. Dasselbe Prinzip gilt für Inhalte, Aktionszeiträume und Werbedruck.

Die Frage ist nie, wer den Klick bekommt. Die Frage ist, ob der Kunde im gemeinsamen Angebot bleibt oder zum Wettbewerber wechselt.

05Wonach sollte zusätzliches Budget vergeben werden?

Zusätzliches Budget gehört dorthin, wo es nachweislich mehr erwirtschaftet, nicht dorthin, wo die Beziehung am längsten läuft. Wenn zwei Partner dieselbe Investition erhalten und einer davon ein Mehrfaches an Wirkung erzeugt, ist die Konsequenz unbequem und einfach: Das nächste zusätzliche Budget geht an die höhere Rendite. Nicht als Strafe für den anderen, sondern als Logik eines Portfolios.

Beziehungen im Handel sind nie schwarz-weiß, und kein Portfolio wird rein rechnerisch gesteuert. Aber die Rechnung muss auf dem Tisch liegen. Ein gemeinsames Ziel, die Auswahl der Maßnahmen mit der besten erwartbaren Wirkung, vereinbarte Kennzahlen und der Mut, laufend zu testen und umzuschichten.

Es geht nicht darum, den eigenen Anteil am Kuchen zu verteidigen. Der Kuchen gehört gemeinsam vergrößert.

Diese Messlogik entfaltet ihre Wirkung dort, wo sie hingehört: im Jahresgespräch mit dem Handelspartner. Dort wird aus der Wirkungskette ein gemeinsamer Plan, den beide Seiten belegen können.

06Der nächste Schritt

Wenn Ihr Vertriebs- und Marketingteam mit Handelspartnern über digitale Investitionen verhandelt, ohne dass eine gemeinsame Messlogik auf dem Tisch liegt, dann lassen Sie uns 30 Minuten sprechen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Wirkungskette vom Umsatz her aufbauen und ins nächste Jahresgespräch mitnehmen.

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